Seit der Landtagwahl 2008 bekleide ich das Amt des ersten Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung

Der Islam hat Konjunktur, in Deutschland und weltweit. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist die Religion leider mit negativen Eigenschaften behaftet. Vorurteile und Ängste werden geschürt und Klischees verstärkt. Der Islam wird mit radikalem Islamismus auf eine Stufe gesetzt. Und Islamismus ist in unserer Zeit quasi als Synonym für internationalen Terrorismus zu verstehen.

Solche Urteile zu korrigieren ist ein Schwerpunkt meiner politischen Tätigkeit. Nach gegenwärtigen Schätzungen leben in Deutschland derzeit rund 3 Millionen Muslime, über 2 Millionen davon türkischer Herkunft. Diese Tatsache darf von politisch Verantwortlichen nicht verdrängt werden, sondern muss vielmehr Anlass sein, eine Integration dieser muslimischen Bevölkerung auf den Boden unserer Verfassung zu ermöglichen. Wir müssen uns gegenseitig annähern und klar unterscheiden: Was ist Fakt und was ist bloßes Vorurteil. Fakt ist etwa, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime in Deutschland weder gewaltbereit noch Anhänger von einem fundamentalistischen Islamismus ist.

Wie in anderen Ländern Europas geht die Präsenz großer muslimischer Gruppen auf die Arbeitsmigration seit den 1960er Jahren zurück. Mit der Familienzusammenführung, die seit den 1970er Jahren in großem Stil erfolgte, bildeten sich große Gemeinschaften, deren Lebensschwerpunkt sich zunehmend nach Deutschland verlagerte, auch wenn sie die Nationalität des Heimatlandes und die sozialen Bindungen an die Heimat nach Kräften aufrechterhielten. In vielen Städten entwickelten sich so kommunale Schwerpunktgebiete türkischer Bevölkerung mit einer eigenen Infrastruktur an Geschäften, Unternehmen und Vereinen.

Seit den 1980er Jahren fand nun eine wachsende Orientierung der islamischen Bevölkerung in Deutschland an religiösen Normen von Gebet, Kleidung und Alltagsleben statt. Vor allem die jüngere Generation flüchtete sich, hin- und hergerissen zwischen der alten Kultur ihrer Eltern und der neuen Kultur in Deutschland, häufig in eine religiöse Abschottung zur deutschen Gesellschaft. Dies führte und führt immer noch zu erheblichen Spannungen im öffentlichen wie privaten Leben.

Um hier einen Dialog der Kulturen zu ermöglichen, muss man den anderen kennen. Durch meinen Kontakt zu muslimischen Organisationen, türkischen Verbänden, Jugend- und Sportvereinen werden Mauern eingerissen, wird der andere nicht mehr als der Unbekannte betrachtet. Regelmäßige Treffen tragen auch dazu bei, die Nöte und Sorgen der zumeist türkischstämmigen Bevölkerung zu erkennen und diesen abzuhelfen. Vor allem für die dritte, junge Generation vom Muslimen, die in Deutschland geboren und erzogen wurde, ist ein solcher Kontakt entscheidend, um eine Chance für eine Integration in unsere Gesellschaft zu erhalten.

Wichtig dabei ist mir, diesen Dialog ohne verzerrten Blick zu führen. Wir müssen die Tatsachen beim Namen nennen, aber auch unser Gegenüber akzeptieren. Denn unsere Zukunft ist eine gemeinsame, das ist keine Frage. Die Frage ist nur, ob wir uns den kommenden Herausforderungen stellen.




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